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Wednesday, 8. February 2012
 
 
Baden Powell Biografie

Baden Powell

Am 22. Februar 1857 kam er als zwölftes von vierzehn Kindern des anglikanischen Pfarres Baden-Powell zur Welt. Er erhielt die Vornamen Robert Stephenson Smith. - Der Name Smyth sollte an einen berühmten Vorfahren mütterlichseits aus dem 17. JH erinnern, an den legendären Seehelden John Smyht, Captain Ihrer Majestät der Königin von England. Sein Vater starb als er drei Jahre alt war.
Mit einem mehr als mittelmäßigen Abschlußzeugnis des Charterhouse-College bewarb er sich um einen Ausbildungplatz als Offizier der britischen Armee und legte das Aufnahmeexamen mit Glanz ab - als zweiter von 717 Prüflingen ! Darauhin wurde er sofort zum Unterleutnant befördert und durfte sich die Waffengattung, in der er dienen sollte, selbst aussuchen. Als guter und begeisterter Reiter entschied er sich für die Kavallerie.

Als er mit dem 13. Husarenregiment in Indien eingesetzt wurde, fiel er dadurch auf, daß er nicht wie andere Offiziere sinnlos Geld verschwendete, sondern seinen mageren Soldatensold aufbesserte, indem er Artikel für Zeitungen schrieb und illustrierte. Bei seinen Kameraden war er sehr beliebt. Vor allen Dingen zeigte sich seine Begabung, die gelangweilten Militärs zu unterhalten. Er sang im Offizierskasino, arrangierte Theatteraufführungen, schreib die Stücke und die Lieder selbst und brachte so leben in die Bude. Seine Vorgesetzten hörten von seinen Talenten und übertrugen ihm die Ausbildung der Scouts, der Pfadfinder, die nicht im offenen Kampf eingesetzt wurden, sondern das gegnerische Lager mit List und Lautlosigkeit auskunschaften mußten. Er legte keinen Wert auf Drill, sondern versuchte seine Schützlinge für ihre Aufgabe zu begeistern, indem er ihnen Sinn und Zweck ihrer Tätigkeit erklärte.

Nachdem Baden-Powell in Indien, Afghanistan und Malta eingesetzt worden war, erhielt er 1897 - inzwischen zum Hauptmann befördert - den Auftrag, in Südafrika eine Expedition als Vergeltungsschlag gegen den Ashanti-Häuptling Pempreh zu unternehmen. Pempreh war ein Urwaldfürst grausamster Prägung, der nicht nur gegen die englische Kolonialherrschaft rebellierte, sondern auch Mitglieder seines eigenen Volkes als Sklaven verkaufte oder als Menschenopfer bei rituellen Handlungen hinrichten ließ. Dort auf der Fährte des flüchtenden Pempreh lernte Baden-Powell von befreundeten Eingeborenen ihre besonderen, selbst ihm zum Teil noch unbekannten Methoden der Jagd, des Spurenlesens, der Orientierung, der Urwaldmedizin und ählicher Waldläuferkünste. Schon bald war er geschickter als seine Lehrmeister die ihm den ehrenvollen Namen “Impeesa” gaben : “Der Wolf der nie schläft”. Während er tagsüber den blutrünstigen Häupling jagte, schrieb er nachts an seinem Buch ” Aids for Scouting ” ( wörtlich : “Hilfen zum Pfadfinden “. Als das Manuskript 1897 fertig war, gelang es Baden-Powell endlich, den Ashanthi-Häuptling Pempreh gefangenzunehmen, doch er ließ ihn nicht hinrichten. Der Häuptling zog ins Exil - und wurde ein Freund und Verehrer des Mannes, der ihn überwunden hatte. Baden-Powell, inzwischen zum Obersten befördert, kam im Anschluß an sein Afrikanisches Abenteuer nach Indien, wo er das Kommando für eine Kavalleriedivision übernahm. Von dort aus sandte er sein Manuskript des Buches ” Aids for Scouting ” nach England zu seinem Verleger. Als es 1899 als dünnes Bädchen erschien, empfahl es der englische Generalstab als allgemeine Ausbildungslektüre für Offiziere.

Im Juli 1899 wurde er von Indien abkommandiert und im Burenkrieg eingesetzt. Er bekam den Auftrag, in Mafeking, einer kleinen Fronstadt, britische Soldaten für den Dschungelkampf auszubilden. Als die Buren erfuhren, das Baden-Powell in Mafeking war umzingelte der Burengeneral Croje am 11. Oktober mit 9000 Mann die Stadt um ihn gefangenzunehmen. Doch dieser schaffte es, die Stadt mit 700 Soldaten und 300 Zivilisten nicht mit Gewalt sondern mit List und Tücke zu verteidigen, bis sie nach 217 Tagen im Mai 1900 von einem britischen Ersatzkommando befreit wurden.

Als Baden-Powell 1901 auf königlichen Befehl nach England zurückkehrte, um zum General befördert und mit dem Kreuz des Bath-Ordens ausgezeichnet zu werden, schlug ihm eine Welle der Begeisterung entgegen. Während er noch in Mafeking eingeschlossen war, hatten die Leute in England sein Buch ” Aids for Scouting ” gekauft und lasen es zu Tausenden. Sein Buch war ein Bestseller geworden.

Baden-Powell brannte darauf ein zweites Buch zu schreiben, doch nun war er damit beschäftigt, die neue Schutzpolizei Südafrikas auszubilden. Wie immer leistete er ganze Arbeit, und schon bald waren die berittenen Polizisten eine weithin berühmte Elitetruppe. Sie trugen einen breitrandigen Filzhut, Halstuch und Khakihemd - die spätere Tracht der Pfadfinder.Als er die Truppe aufgebaut hatte, glaubte er endlich Zeit zu haben um sein zweites Buch ” Scouting for Boys “ schreiben zu können, doch da wurde er nach England gerufen und im Jahr 1903 zum Generalinspekteur der gesamten britischen Kavallerie ernannt, mit dem besonderen Befehl, diese berittene Truppe neu zu organisieren. Als er auch diese Aufgaben erfolgreich erledigt hatte, konnte er sich endlich wieder seinem liebsten Thema, der Jugenderziehung zuwenden.

Bevor er zur Feder giff, um endlich sein Buch zu Schreiben, wollte er persönliche Erfahrungen sammeln. Zu diesem Zweck trommelte er im Jahre 1907 insgesammt 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. Mit diesen 22 Jungen ruderte er vom Hafen der englischen Stadt Poole hinüber auf Brownsea Island, eine kleine zur Grafschaft Dorset gehörende Insel. Dort schlugen sie ihre Zelte auf. Die alte Fahne von Mafeking, nach sieben Jahren schon historisch geworden, hatte er vorher aus dem Militärmuseum geholt. Nun flatterte sie am Fahnenmast inmitten des Zeltplatzes.

Die Berühmtheit, die Baden-Powell im Krieg und als Vertreter des klassenbewußten Offizierstandes erworben hatte, war seiner friedlichen Idee einer klassenlosen Jugenderziehung förderlich. In ganz England sprach sich herum, daß der “ Held von Mafeking “ ein Jugendlager veranstaltet hatte, in dem kein erzieherischer Zwang ausgeübt worden war. Unter seinen vielen Anhängern war auch der Londoner Verleger Pearson, der eine Jugendzeitung mit dem Titel “ The Scout “ zu gründen versprach, wenn sich Baden-Powell verpflichtete, dafür Artikel zu schreiben. Der General sagte zu. Er hatte nun seine eigentliche Berufung erkannt und wollte von der kriegerischen Tätigkeit eines Offiziers nicht mehr wissen. Es gelang ihm, König Eduard VII. vom Sinn der Pfadfinderei zu überzeugen und schließlich stimmte der König seiner frühzeitigen Pensionierung zu. Der General wurde Jugendführer. In seinem fünfstigsten Lebensjahr.

Er mietete einen ruhigen, mit dunklem Eichenholz getäfelten Raum in der Windmühle von Wimbledon Common in London, wo er ungestört arbeiten konnte. Dort verwirklichte er endlich seinen Plan ein Pfadfinderbuch für die Jugend zu schreiben: “ Scouting for Boys “ Es erschien als Serie, Kapitel für Kapitel, in der Zeitschrift “ The Scout “. Es sollte später in alle Kultursprachen übersetzt und das größte pädagogische Werk unseres Jahrhunderts werden.

Der erste Pfadfinder-Auslandsbesuch fiel ins Jahr 1909, als zwei englische Patroullien durch Deutschland wanderten und überall auf junge Leute stießen, die von der Pfadfinderidee begeistert waren und eigene Patroullien gründen wollten. Damals erkannte Baden-Powell, daß er mit seiner Jugendbewegung voll ins schwarze getroffen hatte und daß die Möglichkeit bestand, das Pfadfindertum über die ganze Welt zu verbreiten. Ihm schwebte eine große Bruderschaft vor, ähnlich der Bruderschaft verbündeter Ritter des Mittelalters. Eine Bruderschaft für friedliche Zwecke jedoch, ohne Trennung durch Gesellschaftsklassen, Rasse, Nationalität oder Religionsgemeinschaft. Ritterlichkeit und Treue zu Gott - diese beiden Tugenden fand Baden-Powell in einer legendären Gestalt vereint : im Ritter St.Georg, den er 1909 offiziell zum Schutzpatron der Pfadfinder erklärte, “ weil er unter den Heiligen der einzige Ritter war “. Baden-Powell hielt im gleichen Jahr noch zwei Lager im Londoner Kristallpalast mit 11.000 Teilnehmern ab. Dort sah er unter den vielen Boy Scouts plötzlich eine Schar von Mädchen, die ebenfalls die Pfadfindertracht trugen. Sie kamen auf ihn zu und sagten : “ Wir sind die Girl Scouts, Mister Baden-Powell “. Der General war begeistert, daß sich seiner ursprünglichen nur für Jungen gedachte Organisation nun auch Mädchen anschließen wollten, und er ging sofort daran, Gruppen von Pfadfinderinnen zu gründen.

Im Jahr 1912 unternahm Baden-Powell eine große Weltreise auf einem Schiff und lernte die damals 22 jährige Olave St. Clair kennen, die er kurz darauf heiratete. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor. Olave begeisterte sich für die Pfadfinderidee ihres Mannes und übernahm im Jahre 1916 die Führung der englischen Girl Guides.

1919 bekamen die Pfadfinder von einem schottischen Landedelmann den Gilwellpark bei London als Ausbildungszentrum für Scoutmaster geschenkt. Die ersten Pfadfinderführer, die dort einen Lehrgang erfolgreich abschlossen, erhielten eine sonderbare Auszeichnung : zwei Holzstückchen, die sie an einer Lederschnur um den Hals tragen durften. Sie stammen von einer aus vielen Holzstückchen bestehenden Halskette, die der Zulu-Häuptling Dinzulu dem General seinerzeit in Afrika geschenkt hatte.

Im Jahre 1920 veranstaltete Baden-Powell das erste internationale Pfadfindertreffen (Jamboree) ( übersetzt - große Zusammenkunft ) in London, wo in der Olympia Hall 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern zusammenkamen. Bei dieser Gelegenheit wurde er zum ersten und einzigen “ Chief Scout of the World “ ausgerufen.

Der Name des Parks, Gilwell, wurde 1929 auch Bestandteil des Namens von Baden-Powell, als ihn der König zum Lord adelte. Fortan hieß er : “ Lord Baden-Powll of Gilwell “. Damals war er 72 Jahre alt.

Im Jahr darauf wurde Lady Olave Baden-Powell zur “ Chief Guide of the World “ ernannt, zu obersten Weltpfadfinderführerin ( die sie bis zu ihrem Tod am 26 Juni 1977 blieb ).

Von 1930 bis 1937 reiste Lord Baden-Powell mit seiner Frau von einem Land zum anderen, um überall auf dem Erdball die Pfadfinder und Pfadfinderinnen zu besuchen.

Sein letzter großer Auftritt war beim Jamboree in Holland, 1937, wo er sich offiziell verabschiedete : “ Es ist Zeit für mich “, sagte er, “ daß ich euch good-bye sage. Ihr wißt, daß viele von uns sich auf dieser Welt nie wieder treffen werden. Ich bin in meinem einundachtzigsten Lebensjahr und nähere mich dem Lebensende. Die meisten von euch aber sind erst am Beginn des Lebens ...”. Danach zog er sich zurück in sein Haus, das er nahe der Wildnis gebaut hatte, unweit von Nyert, einer kleinen Stadt im ostafrikanischen Kenia. Als er fühle, daß er bald sterben werde, setzte er sich auf die Veranda seines Hauses, wo ihm der Wind den Geruch der afrikanischen Steppe zuwehte, um seinen letzten Brief zu schreiben, seinen Abschiedbrief an die Boy Scouts und Girl Guides dieser Welt.

Kurze Zeit später, am 8. Januar 1941, schloß er für immer seine Augen. Jungen und Mädchen standen in ihrer Pfadfindertracht auf dem Friedhof von Nyeri, sechs Scoutmaster trugen den Sarg und britische Offiziere salutierten.
 
 
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